Sisyphos - Mythological Poem für Violoncello und Percussion
von Enjott Schneider
Partitur und Stimmen
Dauer: 18 Min.
1: Up and Down
2: Ad Absurdum
3: Dreams and Illusions
4: The Happiness of Sisyphos
Vorwort:
Das Mythologische Gedicht SISYPHOS greift in der Besetzung als Duo dieselbe Thematik auf, die schon in der Sinfonie Nr. 2 SISYPHOS – durchaus im autobiographischen Sinne – aktuell war: Sisyphos war wegen frevlerischer Listigkeit zu ewiger Arbeit verdammt worden war. Inspiriert vom Essay Mythos des Sisyphos des Albert Camus wird in meiner musikalischen Interpretation diese anscheinende Bestrafung in ein Positives transformiert: es gilt, das Absurde des von Mühe und alltäglicher Routine besetzen Menschenlebens zu erkennen, sich auch auf keine Illusionen und falsche Hoffnungen zu verlassen, und schließlich das von Utopien befreite sein im geerdeten “Jetzt“ zu akzeptieren. In seiner Einsicht „Schicksal ist keine Bestrafung. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“ hat Albert Camus die zentrale Frage, „ob das Leben die Mühe, gelebt zu werden, lohnt oder nicht“ für jeden Menschen positiv beantwortet. In Teil 1 werden Mühe
und Qual des Hochstemmens eines Felsens, dann das ewig sich wiederholende Abwärtsfallen in rondoartiger Form erlebbar gemacht. In Teil 2 wird das Camus’sche Absurde selbst zum Thema gemacht, indem repetitive Bewegungsmuster und ‚harte Arbeit der Solisten‘ auf die Spitze getrieben werden. Nach den betörend schönen Träumen und Illusionen des dritten Teils werden die benutzen musikalischen Pattern aus ihrer Negativität befreit und in einen Kontext gestellt, der als Glück und Freude am Energetischen und Kraftvollen aufgefasst werden kann.
Die Klarsichtigkeit des Sisyphos, weshalb ihn die Gottheit zur Qual verdammt hatte, ist genau diese Eigenschaft geworden, die ihm erneut zum Sieg verholfen hatte. In einem bedenkenswerten Lebensmotto von Camus formuliert: „Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann“. Mit diesem Mythos haben sich viele auch moderne Denker befasst. Unter anderem auch Günther Grass, der in einem Gespräch „Phantasie als Existenznotwendigkeit“ mit Siegfried Lenz sagte: „Der Stein ist da, ich wälze ihn, ich nehme die Strafe der Götter nicht nur an, ich höhne weiter den Göttern. Ich sage: bitte schön, der Stein gehört zu mir.“