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PIK, KREUZ, KARO & HERZ - Konzert für vier Violoncelli und Orchester (LM)
PIK, KREUZ, KARO & HERZ - Konzert für vier Violoncelli und Orchester (LM)
Pik, Kreuz, Karo & Herz - Geheime Welt zwischen Himmel und Jahrmarkt
Konzert für vier Violoncelli und Orchester
von Enjott Schneider
Partitur und Stimmen
Besetzung: 2(Picc).1.2.2. - 3.0.0.0. - Schlagz. (2 Sp.), Harfe, großes Streichorchester
Dauer: 22 Min.
1: Prolog
2: Pik As
3: Kreuzbube
4: Karokönig
5: Herzdame
6: Epilog
Vorwort:
KARTENSPIELE – Geheime Welt zwischen Himmel und Jahrmarkt
Das Glücksspiel mit Karten aus „kartoniertem Papier“ ist in Europa seit dem 14. Jahrhundert in Spanien, Italien, Frankreich und im deutschen Sprachraum nachweisbar. Sich rasend – gerade auch in Adelsschichten – verbreitend, gab es bereits im 15. Jahrhundert überall lokale „Blätter“ und verschiedenste Kartendecks. Seiner geheimnisvollen Doppelbödigkeit wegen wurde Kartenspiel erstmals 1367 im ‚Verbot von Bern‘ oder 1377 bei Johannes von Rheinfelden in dessen moralischen Deutungen erwähnt. Der Beigeschmack des Verbotenen und des ‚Okkulten‘ rührt auch daher, dass Kartenspiele – vor allem auch als divinatorische Systeme (Wahrsagung) – vom ‚Fahrenden Volk‘ verbreitet wurden. Und genau dies führt zu den geistigen Wurzeln: die Etymologie von ‚Zigeuner‘ als „Gipsy“ (zunächst sogar „Gypsy“) verweist nach Egypt/Ägypten. Dieser Jahrtausende alte Kulturraum, aus dem bekanntlich auch die jüdische Lebenswelt entwachsen ist, war in seinen Wurzeln wiederum eng mit dem noch älteren vedisch-indischen Raum verbunden. Dass die Herkunft von Sinti und Roma sich ebenfalls durch diesen indischen Ursprung definieren, passt wunderbar in die Genealogie. Von Indien ausgehend findet man das hinter den Karten stehende geistige bzw. divinatorische Erkenntnissystem in östlicher Richtung im chinesischen „I Ging“ (Tao Te King) und dem chinesischen Zodiak, in westlicher Richtung in den ägyptischen, jüdischen und arabisch islamischen Hochkulturen. Durch die Verwurzelung in solch große mythologische und Weisheitssysteme entwickelte sich das Kartenspiel nicht nur als oberflächliches Unterhaltung- und Glücksspiel, sondern wurde zu einem tiefen metaphorischen Instrument der Einsicht in menschliche Existenz.
Das „Spiel“ ist eine Metapher des Lebens. In Spiel und in Leben geht es um das Erproben und Ausbalancieren von Strategie, Taktik, um das Verbinden von Sicherheitsängsten mit Risikofreude, um Fähigkeiten des Analysierens und Planens. Im „Spiel“ (‚spil‘ stand schon im Mittelalter für Tanz, Bewegung, Dynamik) tritt der Mensch in einen „magic circle“: ein Raum der Freiheit, ohne Zwang zur Nützlichkeit, mit dem man aus der eigenen beschränkten Wirklichkeit heraustreten kann. Der „Homo Ludens“ (so Johan Huizinga in seinem bahnbrechenden Werk von 1938) erlebt im Spiel – was übrigens auch für das musikalische ‚Spielen‘ gilt – das freiwillige Handeln, die Freiheit vom alltäglichen Müssen, die Befreiung vom Effizienz-orientiert-sein. Spielen ist eine vorbewusste ‚Welt-Befragung‘, eine Schule der Interaktion, von Teamgeist und Wettbewerb gleichermaßen. Im Spiel geht es um Exploration, um die Macht der Phantasie, um Träume, Rollenspiele, – auch um Manipulation, um Erfahrung, Beziehungen, um Kompromisse als Weg zum Erfolg: Zurückweichen oder Stürmen, Zufall oder Plan? Das Kartenspiel konnte so zum Symbol der menschlichen Existenz, eine Chance zur inneren Reifung werden. Jedes persönliche Leben bleibt sozusagen ein Mix aus Zufall und Plan, aus Aktion und Reaktion, aus Logik und Unerklärbarem.
Die Welt als das „Wellende“ gehorcht dem Gesetz der Frequenz: Auf Wellenberg folgt zwangsläufig das Wellental, aus Yin wird immer ein Yang, aus oben wird unten… wie beim Rad der Fortuna. Die jüdische Kabbala weiß um die tiefe Einheit der Gegensätze: das zentrale „Kodesch le Chol“ sieht den Gegensatz von „Heilig“ und „Profan“ als Urmuster alles Seins, – so wir eben auch im Kartenspiel den Himmel und den Jahrmarkt harmonisch nebeneinander finden. In vielen Kulturdokumenten findet sich das Spiel als intuitive oder göttlich gefügte Mischung von Strategie und Zufall: Literarisch: im „Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse, in Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft“ mit seiner Balance von Zufall und Kontrolle, bei Sherlock Holmes detektivischem Interesse am Kartenspiel als Erforschen verborgener psychischer Neigungen, bei „Alice im Wunderland“ von Lewis Caroll, wo die Spielkartenmotive wieder als uralte Metaphern bei der Identitätssuche fungieren. Musikalisch: in Bizets „Carmen“ (1875) geht es um Wahrsagen und Kartenspiel, ebenso bei Tschaikowsky in „Pique Dame“ (1890), bei Strawinsky in „Jeux de Cartes“ oder bei Schostakovitch in op. 63. „Die Spieler“ (nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai Gogol). KREUZ, PIK, KARO & HERZ weist genau diese genealogische Ambivalenz des Kartenspiels zwischen „Himmel und Jahrmarkt“ auf: es geht zum einen um letztendliche „hohe“ Dinge wie Seele, göttliche Weisheit, Strukturen des menschlichen Seins, zum anderen auch um „niedere Dinge“ wie Tanz, Lust an Motorik und Bewegung, um nutzlosen Spaß und die banalen Freuden des Jahrmarkts, des Zirkus.
Die musikalischen Vokabeln entstammen daher nicht selten dem Tanz, dem „nicht-heilig“ Niederen, dem unterhaltenden und trivialen Genre, – eben der Zirkus – Nähe. Es gibt keine Hierarchie von Cello 1,2,3 oder 4: jeder Spieler atmet Freiheit, hat eigene Phantasie und Bewegungsräume. Jeder der vier Spieler verkörpert einen bestimmten „Kartentyp“, mit dem auf den imaginären Tanzboden des Lebens gegangen wird: Karokönig, Herzdame, Kreuzbube und Pik As sind Charaktere, die aus den 22 Karten der „Großen Arkana“ (‚Arkana‘ = Geheimnis) des alten Tarot, der Mutter aller Kartenspiele, hervorgegangen sind. Nachstehend einige Stichworte zur Deutung dieser vier Spielkarten des sehr verbreiteten „französischen Blatts“, die von den vier Cello-Solisten repräsentiert werden:
KREUZBUBE: Der Bube oder Bauer steht für den niedersten Stand, den Bauern. Deshalb ist das dreiblättrige Kleeblatt (dem Kreuz ähnlich) das Symbol. Element ist das ‚Feuer‘. Kreuzbube ist die Karte des Mysteriums und des Schicksals. Das Bildmotiv geht auf den Ritter Lancelot der alten Artus-Sage zurück. Im Skat ist der Kreuzbube der höchste Trumpf, der alle anderen Karten stechen kann. Die Deutung der Karte weist auf Gemeinschaft, Familie und Zusammenhalt hin, dies jedoch immer aus der Perspektive der Jugend: Heranwachsen, Protest, Gleichberechtigung und vor allem Liberalität sind die Merkmale. Kreuzbube verkörpert das nach Außen drängende Unbewusste: bringt freimütig kreative Ideen ins Spiel, offen für Gespräche, die der Klärung und Wahrheit dienen, fühlt sich aber leicht angegriffen, will sich verteidigen und hat das Recht auf unkontrollierte Emotion der Jugend: Wut, Stichelei, Ungeduld, Eifersucht, kleine Sarkasmen. Wie beim unbewussten Tun der Kinder vernimmt man Poltern, Lärm, Leichtigkeit der unreifen Meinung und akzeptiert diese eher störenden Eigenschaften, - denn sie werden noch reifen und sich wieder legen!
PIK AS: Dieses „Ace of Spades” zeigt ikonographisch die Spitze einer Pike, eine historische Stichwaffe der Fußsoldaten. Im uralten Tarot stammt die Karte aus der Kleinen Arkana und dort der Serie der „Schwerter“. Element ist die ‚Luft‘. Die Karte steht für den Adelsstand, – dem Gegenpol der Bauern/Buben. Pik As wird gerne als Symbol der Asexualität und der Aromantik genommen: Personen ohne romantische und sexuelle Empfindungen. Harry Potters Gegenspieler Lord Voldemort
ist ein typischer Repräsentant, – es geht bei Pik As um Macht und Prestige. Im Vietnamkrieg wurde Pik As von amerikanischen Soldaten als psychologische Waffe eingesetzt. Im übergeordneten Sinne verkörpert diese Karte Intellekt, Weisheit, die Prüfungen des Lebens, Kraft, Ehrgeiz, Mut und Konflikt. Im Roman „Pik Ass“ von Faridah Àbiké-Lymidé geht es bezeichnenderweise um Rassismus und Bedrohung.
KAROKÖNIG: Er ist der ‚König der Diamanten‘, denn das Karo wird vor allem als Symbol für Diamanten gelesen. Ist im französischen Blatt eine besonders ikonische Figur. Ist mit Schwert oder Streitaxt versehen und hat in den meisten Kartenspielen einen hohen Wert. Zeichnerisch geht die Karte auf Julius Cäsar zurück. Element ist die ‚Erde‘. Eigenschaften des Karokönigs sind dementsprechend Reichtum, Autorität, Macht, Stärke, militärische Führungsqualität. Der Karokönig ist ein guter Verhandlungsführer, klug, furchtlos, kann aber auch ein Hitzkopf werden. Die Karten der Karo-Serie stehen in alten Zeiten auch für den Stand der Kaufleute und der Geistlichen. Das Rautensymbol wurde in Frankreich auch gerne als „roter Pflasterstein“ gesehen, der Waffe der Bürger. Daher auch die Interpretation dieser Karte als Zeichen von Bürgertum und Wohlstand.
HERZDAME: Ist sehr offensichtlich ein starkes Symbol für Liebe, Emotion und dem privaten Bereich. Element ist hier das ‚Wasser‘. Ikonographisch geht die Karte auf die biblische Judith zurück, dem Ideal der Frömmigkeit. Deshalb wird sie auch gerne dem geistlichen Stand oder generell der Spiritualität zugeordnet. Vom Tarot herkommend ist die Karte eine Weiterentwicklung der
‚Hohepriesterin‘ oder der ‚Herrscherin‘. Repräsentiert die „Liebe“ und das „Weibliche“, kann aber auch – wie viele mythische Frauenfiguren – doppelgestaltig sein. Typisch hierfür ist auch die Herzdame in „Alice im Wunderland“, dort auch als „Red Queen“ bisweilen genannt. Grundsätzlich gütig, aber auch kindisch und aufbrausend. Gegenspielerin von Alice, bisweilen übellaunige Monarchin mit ihrem oft wiederholten Lieblingssatz „Kopf ab!“
Uraufführung: 29.10.2025, Cello Akademie Rutesheim Halle Bühl 2
Trailer auf YouTube
Konzert für vier Violoncelli und Orchester
von Enjott Schneider
Partitur und Stimmen
Besetzung: 2(Picc).1.2.2. - 3.0.0.0. - Schlagz. (2 Sp.), Harfe, großes Streichorchester
Dauer: 22 Min.
1: Prolog
2: Pik As
3: Kreuzbube
4: Karokönig
5: Herzdame
6: Epilog
Vorwort:
KARTENSPIELE – Geheime Welt zwischen Himmel und Jahrmarkt
Das Glücksspiel mit Karten aus „kartoniertem Papier“ ist in Europa seit dem 14. Jahrhundert in Spanien, Italien, Frankreich und im deutschen Sprachraum nachweisbar. Sich rasend – gerade auch in Adelsschichten – verbreitend, gab es bereits im 15. Jahrhundert überall lokale „Blätter“ und verschiedenste Kartendecks. Seiner geheimnisvollen Doppelbödigkeit wegen wurde Kartenspiel erstmals 1367 im ‚Verbot von Bern‘ oder 1377 bei Johannes von Rheinfelden in dessen moralischen Deutungen erwähnt. Der Beigeschmack des Verbotenen und des ‚Okkulten‘ rührt auch daher, dass Kartenspiele – vor allem auch als divinatorische Systeme (Wahrsagung) – vom ‚Fahrenden Volk‘ verbreitet wurden. Und genau dies führt zu den geistigen Wurzeln: die Etymologie von ‚Zigeuner‘ als „Gipsy“ (zunächst sogar „Gypsy“) verweist nach Egypt/Ägypten. Dieser Jahrtausende alte Kulturraum, aus dem bekanntlich auch die jüdische Lebenswelt entwachsen ist, war in seinen Wurzeln wiederum eng mit dem noch älteren vedisch-indischen Raum verbunden. Dass die Herkunft von Sinti und Roma sich ebenfalls durch diesen indischen Ursprung definieren, passt wunderbar in die Genealogie. Von Indien ausgehend findet man das hinter den Karten stehende geistige bzw. divinatorische Erkenntnissystem in östlicher Richtung im chinesischen „I Ging“ (Tao Te King) und dem chinesischen Zodiak, in westlicher Richtung in den ägyptischen, jüdischen und arabisch islamischen Hochkulturen. Durch die Verwurzelung in solch große mythologische und Weisheitssysteme entwickelte sich das Kartenspiel nicht nur als oberflächliches Unterhaltung- und Glücksspiel, sondern wurde zu einem tiefen metaphorischen Instrument der Einsicht in menschliche Existenz.
Das „Spiel“ ist eine Metapher des Lebens. In Spiel und in Leben geht es um das Erproben und Ausbalancieren von Strategie, Taktik, um das Verbinden von Sicherheitsängsten mit Risikofreude, um Fähigkeiten des Analysierens und Planens. Im „Spiel“ (‚spil‘ stand schon im Mittelalter für Tanz, Bewegung, Dynamik) tritt der Mensch in einen „magic circle“: ein Raum der Freiheit, ohne Zwang zur Nützlichkeit, mit dem man aus der eigenen beschränkten Wirklichkeit heraustreten kann. Der „Homo Ludens“ (so Johan Huizinga in seinem bahnbrechenden Werk von 1938) erlebt im Spiel – was übrigens auch für das musikalische ‚Spielen‘ gilt – das freiwillige Handeln, die Freiheit vom alltäglichen Müssen, die Befreiung vom Effizienz-orientiert-sein. Spielen ist eine vorbewusste ‚Welt-Befragung‘, eine Schule der Interaktion, von Teamgeist und Wettbewerb gleichermaßen. Im Spiel geht es um Exploration, um die Macht der Phantasie, um Träume, Rollenspiele, – auch um Manipulation, um Erfahrung, Beziehungen, um Kompromisse als Weg zum Erfolg: Zurückweichen oder Stürmen, Zufall oder Plan? Das Kartenspiel konnte so zum Symbol der menschlichen Existenz, eine Chance zur inneren Reifung werden. Jedes persönliche Leben bleibt sozusagen ein Mix aus Zufall und Plan, aus Aktion und Reaktion, aus Logik und Unerklärbarem.
Die Welt als das „Wellende“ gehorcht dem Gesetz der Frequenz: Auf Wellenberg folgt zwangsläufig das Wellental, aus Yin wird immer ein Yang, aus oben wird unten… wie beim Rad der Fortuna. Die jüdische Kabbala weiß um die tiefe Einheit der Gegensätze: das zentrale „Kodesch le Chol“ sieht den Gegensatz von „Heilig“ und „Profan“ als Urmuster alles Seins, – so wir eben auch im Kartenspiel den Himmel und den Jahrmarkt harmonisch nebeneinander finden. In vielen Kulturdokumenten findet sich das Spiel als intuitive oder göttlich gefügte Mischung von Strategie und Zufall: Literarisch: im „Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse, in Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft“ mit seiner Balance von Zufall und Kontrolle, bei Sherlock Holmes detektivischem Interesse am Kartenspiel als Erforschen verborgener psychischer Neigungen, bei „Alice im Wunderland“ von Lewis Caroll, wo die Spielkartenmotive wieder als uralte Metaphern bei der Identitätssuche fungieren. Musikalisch: in Bizets „Carmen“ (1875) geht es um Wahrsagen und Kartenspiel, ebenso bei Tschaikowsky in „Pique Dame“ (1890), bei Strawinsky in „Jeux de Cartes“ oder bei Schostakovitch in op. 63. „Die Spieler“ (nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai Gogol). KREUZ, PIK, KARO & HERZ weist genau diese genealogische Ambivalenz des Kartenspiels zwischen „Himmel und Jahrmarkt“ auf: es geht zum einen um letztendliche „hohe“ Dinge wie Seele, göttliche Weisheit, Strukturen des menschlichen Seins, zum anderen auch um „niedere Dinge“ wie Tanz, Lust an Motorik und Bewegung, um nutzlosen Spaß und die banalen Freuden des Jahrmarkts, des Zirkus.
Die musikalischen Vokabeln entstammen daher nicht selten dem Tanz, dem „nicht-heilig“ Niederen, dem unterhaltenden und trivialen Genre, – eben der Zirkus – Nähe. Es gibt keine Hierarchie von Cello 1,2,3 oder 4: jeder Spieler atmet Freiheit, hat eigene Phantasie und Bewegungsräume. Jeder der vier Spieler verkörpert einen bestimmten „Kartentyp“, mit dem auf den imaginären Tanzboden des Lebens gegangen wird: Karokönig, Herzdame, Kreuzbube und Pik As sind Charaktere, die aus den 22 Karten der „Großen Arkana“ (‚Arkana‘ = Geheimnis) des alten Tarot, der Mutter aller Kartenspiele, hervorgegangen sind. Nachstehend einige Stichworte zur Deutung dieser vier Spielkarten des sehr verbreiteten „französischen Blatts“, die von den vier Cello-Solisten repräsentiert werden:
KREUZBUBE: Der Bube oder Bauer steht für den niedersten Stand, den Bauern. Deshalb ist das dreiblättrige Kleeblatt (dem Kreuz ähnlich) das Symbol. Element ist das ‚Feuer‘. Kreuzbube ist die Karte des Mysteriums und des Schicksals. Das Bildmotiv geht auf den Ritter Lancelot der alten Artus-Sage zurück. Im Skat ist der Kreuzbube der höchste Trumpf, der alle anderen Karten stechen kann. Die Deutung der Karte weist auf Gemeinschaft, Familie und Zusammenhalt hin, dies jedoch immer aus der Perspektive der Jugend: Heranwachsen, Protest, Gleichberechtigung und vor allem Liberalität sind die Merkmale. Kreuzbube verkörpert das nach Außen drängende Unbewusste: bringt freimütig kreative Ideen ins Spiel, offen für Gespräche, die der Klärung und Wahrheit dienen, fühlt sich aber leicht angegriffen, will sich verteidigen und hat das Recht auf unkontrollierte Emotion der Jugend: Wut, Stichelei, Ungeduld, Eifersucht, kleine Sarkasmen. Wie beim unbewussten Tun der Kinder vernimmt man Poltern, Lärm, Leichtigkeit der unreifen Meinung und akzeptiert diese eher störenden Eigenschaften, - denn sie werden noch reifen und sich wieder legen!
PIK AS: Dieses „Ace of Spades” zeigt ikonographisch die Spitze einer Pike, eine historische Stichwaffe der Fußsoldaten. Im uralten Tarot stammt die Karte aus der Kleinen Arkana und dort der Serie der „Schwerter“. Element ist die ‚Luft‘. Die Karte steht für den Adelsstand, – dem Gegenpol der Bauern/Buben. Pik As wird gerne als Symbol der Asexualität und der Aromantik genommen: Personen ohne romantische und sexuelle Empfindungen. Harry Potters Gegenspieler Lord Voldemort
ist ein typischer Repräsentant, – es geht bei Pik As um Macht und Prestige. Im Vietnamkrieg wurde Pik As von amerikanischen Soldaten als psychologische Waffe eingesetzt. Im übergeordneten Sinne verkörpert diese Karte Intellekt, Weisheit, die Prüfungen des Lebens, Kraft, Ehrgeiz, Mut und Konflikt. Im Roman „Pik Ass“ von Faridah Àbiké-Lymidé geht es bezeichnenderweise um Rassismus und Bedrohung.
KAROKÖNIG: Er ist der ‚König der Diamanten‘, denn das Karo wird vor allem als Symbol für Diamanten gelesen. Ist im französischen Blatt eine besonders ikonische Figur. Ist mit Schwert oder Streitaxt versehen und hat in den meisten Kartenspielen einen hohen Wert. Zeichnerisch geht die Karte auf Julius Cäsar zurück. Element ist die ‚Erde‘. Eigenschaften des Karokönigs sind dementsprechend Reichtum, Autorität, Macht, Stärke, militärische Führungsqualität. Der Karokönig ist ein guter Verhandlungsführer, klug, furchtlos, kann aber auch ein Hitzkopf werden. Die Karten der Karo-Serie stehen in alten Zeiten auch für den Stand der Kaufleute und der Geistlichen. Das Rautensymbol wurde in Frankreich auch gerne als „roter Pflasterstein“ gesehen, der Waffe der Bürger. Daher auch die Interpretation dieser Karte als Zeichen von Bürgertum und Wohlstand.
HERZDAME: Ist sehr offensichtlich ein starkes Symbol für Liebe, Emotion und dem privaten Bereich. Element ist hier das ‚Wasser‘. Ikonographisch geht die Karte auf die biblische Judith zurück, dem Ideal der Frömmigkeit. Deshalb wird sie auch gerne dem geistlichen Stand oder generell der Spiritualität zugeordnet. Vom Tarot herkommend ist die Karte eine Weiterentwicklung der
‚Hohepriesterin‘ oder der ‚Herrscherin‘. Repräsentiert die „Liebe“ und das „Weibliche“, kann aber auch – wie viele mythische Frauenfiguren – doppelgestaltig sein. Typisch hierfür ist auch die Herzdame in „Alice im Wunderland“, dort auch als „Red Queen“ bisweilen genannt. Grundsätzlich gütig, aber auch kindisch und aufbrausend. Gegenspielerin von Alice, bisweilen übellaunige Monarchin mit ihrem oft wiederholten Lieblingssatz „Kopf ab!“
Uraufführung: 29.10.2025, Cello Akademie Rutesheim Halle Bühl 2
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