1: AUF DER SUCHE / IN SEARCH
2: KAMALA, DIE KURTISANE / KAMALA, THE COURTESAN
3: „KINDERMENSCHEN“ / THE CHILDLIKE PEOPLE
4: BEIM FÄHRMANN – DIE WEISHEIT DES FLUSSES / BY THE FERRYMAN – THE WISDOM OF THE RIVER
5: DAS SCHATTENLOSE LICHT / THE SHADOWLESS LIGHT
Vorwort:
Genau vor hundert Jahren im Oktober 1921 erschien die Erstausgabe des SIDDHARTA von Hermann Hesse (1877-1962), was weltweit sein beliebtester, in 50 Sprachen übersetzter und vielmillionenfach akklamierter Roman wurde. Henry Miller bemerkte dazu „Einen Buddha zu schaffen, der den allgemein anerkannten Buddha übertrifft, das ist eine unerhörte Tat!“ Hesse schrieb diese Suche nach Frieden und Erlösung als seine Antwort auf die große Sinnkrise, die sich nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs allerorten einstellte. Seine Wendung von der „seit kurzem eingebrochene Atemnot der Geistigkeit“, mit der er im Vorwort des Romans den Kriegsbeginn 1914 charakterisierte, hat heute im Kontext des Ukraine-Krieges an visionärer Frische gewonnen. Hesse schuf einen Siddharta, der gleichnamig zum historischen Buddha und ebenfalls im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung angesiedelt, einen eigenen Weg jenseits aller religiösen Lehren und Dogmen geht: Erkenntnis nicht durch Lehre, sondern durch eigene Erfahrung. „Wissen“ kann man mitteilen, die „Weisheit“ hingegen muss man leben. Siddharta findet bei einem schweigsamen Fährmann und im Betrachten Flusses sowohl Brahman – das absolut Höchste - wie auch Atman, den Lebenshauch, die Essenz des Geistes. Im Fliessen des Wassers erkennt Siddharta den ewigen Kreislauf, dass Kind, Mann und Greis das Gleiche – aber doch immer neu – sind. Erst dann ist das Nirwana erreicht, - kein Paradies in der Ferne, sondern ein mitten im Alltag aufzufindender Zustand großer Zufriedenheit. Alles Negative wie Hass, Angst, Neid oder Gier sind nun nichtig geworden.